Warum Tattoos so teuer sind...

Immer wieder werde ich gefragt, warum Tattoos so teuer sind.
Sind sie das denn wirklich?
Nun, bei der Kalkulierung meiner Preise muss ich die vielfältigste Dinge miteinbeziehen. Nur ganz kurz möchte ich an dieser Stelle mal be- leuchten, warum Tattoos „soooo teuer“ sind...

Ein Kunde kommt zu mir und möchte einen chinesischen Drachen tä- towiert bekommen. Ich brauche also zunächst einmal Motive mit chine- sischen Drachen – diese kann man für Geld kaufen. Da ich mein Geschäft gut führe, habe ich nicht nur zwei oder drei Motive mit Drachen, sondern sehr viele – für sehr viel Geld. Nachdem sich der Kunde für einen Drachen entschieden hat, muss dieser kopiert werden. Und dafür brauche ich einen Kopierer, Farbkatuschen und Papier. Abgesehen davon, dass ich diese Dinge auch wieder bezahlen muss, brauche ich auch noch Zeit, um sie zu besorgen.

Als nächstes muss ich eine Schablone von dem Drachen zeichnen, was etwa 45 Minuten dauert. Nein, halt – ich habe noch etwas vergessen – der Kopf sollte ja geändert werden, und Flügel soll er auch noch be- kommen. Da brauch´ ich wohl doch eher anderthalb Stunden für die Vorbereitung. Viel Zeit, die niemand sieht. Und dann war da ja auch noch das Schablonen-Papier, das gekauft werden muss.

Nun ist es soweit, der Drache kann tätowiert werden und ich bekommen nun endlich das Geld für meine schon geleistete Arbeit und meinen Materialverbrauch, oder? Nein, es fehlt ja noch was. Ich brauche Farben, und da ich ein netter Mensch bin und gute Arbeit leiste, nehme ich auch noch die teuersten für 60 € pro 250 ml, denn die sind schließlich anti- allergisch und sehen am schönsten aus. Ich könnte natürlich auch sparen und die günstigen nehmen, da kostet ein ganzer Liter nur 5 €. Da ist dann nur wieder das Problem mit den Allergien und der fehlenden Farbbrillanz; also bleibe ich wohl doch lieber bei den guten aber teuren Farben. So, was brauche ich noch um endlich mal was zu verdienen? Klar, ich brauche noch Tattoo-Maschinen, Griffstücke, Farbkappen, Nadeln, Nadelstangen, eine Lötstation, Lötwasser, Lötzinn, Maschinengummis, Melkfett, ein Netzgerät und so weiter und so fort.

Jetzt fällt´s mir gerade wie Schuppen von den Haaren, ich hab´ ja das Wichtigste noch gar nicht einkalkuliert – die Hygiene. Muss ich ja auch noch alles kaufen, und der Zeitaufwand? Naja egal, ich will meine Sache ja ordentlich machen. Wat muss, dat muss...

Dann brauch´ ich also noch: einen Ultraschallreiniger, einen Steril- isator, Desinfektionslösung für den Ultraschallreiniger, Latex-Hand- schuhe, Sagrotan, Isopropylalkohol, Desinfektionsmittel für Hände und für Nadeln, Einschweißfolie für die Griffstücke, Sporentests für den Sterilisator, Kodan Handdesinfektion und und und.... Nachdem ich also nun nochmal eine Stunde Zeit investiere, um die Nadeln zu löten, die ich benötige, bekomme ich nun nach 4 Stunden tätowieren endlich meine 175 €. So weit so gut! Denn jetzt kommen meine Freunde von Finanzamt, Gema, GEZ, IHK und Berufsgenossenschaft und nehmen mir die Hälfte von meinen 175 € weg. Was soll´s, bleiben ja noch 87,50 € um Laden- miete, Krankenversicherung, Rentenversicherung, Mitarbeiter, Reini- gungsmittel und Inventar zu bezahlen.

Wenn ich nun nach diesem ganzen Prozess noch Pech habe und das Tattoo schlecht gepflegt wird, oder die Haut des Kunden nicht ideal ist, muss ich auch noch ein bis zwei Stunden zum Nachstechen investieren. Das Nachstechen ist selbstverständlich kostenlos...

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